Starke Kurzgeschichten

Tiefgang trifft Struktur

Darf eine Kurzgeschichte komplex sein? Absolut – solange sie gut strukturiert ist. Gerade in der Kürze liegt die kreative Würze. Doch wie bringt man Thema, Plot und Charakterentwicklung unter einen Hut, wenn der Platz begrenzt ist?

Hier kommt die Dramatica-Theorie ins Spiel. Ursprünglich für umfangreiche Drehbücher und Romane entwickelt, ist sie ein echter Geheimtipp für Kurzgeschichten. Warum? Weil sie dir hilft, Klarheit zu gewinnen – über deine Figuren, ihre Konflikte und das Thema, das deine Geschichte transportieren soll.

Was ist Dramatica? Kurz erklärt

Dramatica ist ein umfassendes Modell zur Storyentwicklung, das auf vier Perspektiven basiert – den sogenannten Throughlines:

  • Main Character (MC): Die persönliche Sicht deiner Hauptfigur
  • Influence Character (IC): Eine Figur, die den MC herausfordert oder verändert
  • Overall Story (OS): Der objektive Konflikt, der alle betrifft
  • Relationship Story (RS): Die Dynamik zwischen MC und IC

Hinzu kommen präzise definierte Plotpunkte (z. B. Story Goal, Consequences, Requirements), die deinem Text Richtung und Tiefe verleihen.

Kann das auf eine Kurzgeschichte passen?

Ja – und wie! Eine Kurzgeschichte muss nicht alle Dramatica-Komponenten vollständig ausschöpfen, aber schon ein reduzierter Einsatz wirkt Wunder:

  • Die vier Throughlines lassen sich in verdichteter Form darstellen – manchmal in einer Szene, manchmal in wenigen Absätzen.
  • Der Fokus auf ein zentrales Thema oder moralisches Dilemma (z. B. Freiheit vs. Verantwortung) bringt Klarheit und emotionale Wirkung.
  • Plotpunkte wie Story Goal oder Consequences schaffen Struktur, ohne dass du ein komplexes Gerüst bauen musst.

So entwickelst du deine Kurzgeschichte mit Dramatica

Hier ein einfacher Fahrplan für dein nächstes Schreibprojekt:

1. Finde dein Thema

Was willst du wirklich erzählen? Worum geht es unter der Oberfläche? Dramatica denkt in Gegensätzen – etwa Wahrheit vs. Loyalität oder Logik vs. Gefühl. Das Thema ist dein Kompass.

2. Bestimme deine Figurenrollen

  • Main Character MC: Wer steht im Zentrum?
  • Influence Character IC: Wer hat einen besonderen Einfluss auf den MC?
  • Overall Story OS: Welches äußere Problem muss gelöst werden?
  • Relationship Story RS: Wie entwickelt sich die Beziehung zwischen MC und IC?

3. Gib der Geschichte Struktur

Auch in der Kurzform lohnt sich ein Blick auf die sogenannten Signposts (inhaltliche Meilensteine). Ein typisches Muster für die MC-Throughline wäre zum Beispiel:

  • Zweifel
  • Überzeugung
  • Widerstand
  • Entscheidung

4. Nutze Plotpoints gezielt

Du brauchst nicht alle acht Dramatica-Plotpoints, aber ein klarer Story Goal (Was soll erreicht werden?) und spürbare Consequences (Was passiert, wenn das Ziel verfehlt wird?) reichen oft aus, um Spannung aufzubauen.

High Concept trifft Dramatica

Ein zusätzlicher Tipp: Kombiniere die strukturierte Tiefe von Dramatica mit einem High Concept Ansatz. Hierbei wird eine „Was wäre wenn?“-Frage um eine zusätzliche Ebene erhöht. Beispiele:

  • Was wäre, wenn es Erinnerungsimplantate gäbe? High Concept: Und ein Erinnerungsimplantat plötzlich ein Geheimnis offenbart?
  • Was wäre, wenn du dein älteres Ich in einem Café triffst? High Concept: Und dich warnt, einen bestimmten Menschen nicht zu lieben?

Die Kombination aus auffälliger Prämisse und thematischer Tiefe hebt deine Kurzgeschichte aus der Masse hervor.

Dramatica Guru: Dein KI-Helferlein

Du kannst unser Custom GPT „Dramatica Guru“ (auch auf Deutsch) verwenden, um Dramatica für deine Kurzgeschichte zu nutzen. Versuche doch einmal folgenden Prompt:

Ich möchte eine Kurzgeschichte entwickeln und dabei die Dramatica-Theorie anwenden.

Bitte frage mich zunächst nach folgenden Informationen:

[Informationen zur Story]
1. Thema oder zentrale Frage (z. B. „Was bedeutet wahre Gerechtigkeit?“)
2. Genre oder Tonalität (z. B. Mystery, Liebesdrama, Science Fiction)
3. Stilpräferenzen (realistisch, symbolisch, poetisch etc.)
4. Figurenideen oder Settings (falls schon vorhanden)
[/Informationen zur Story]

Hilf mir dann, eine strukturierte Grundlage zu schaffen. Nutze dazu die vier Throughlines (Main Character, Influence Character, Overall Story, Relationship Story). Um diese abzuleiten, beginne mit der thematischen Kernfrage und leite daraus die vier Throughlines ab. Danach erarbeite mit mir eine mögliche Aktstruktur anhand von Signposts für die Throughlines (z. B. Verstehen → Handeln → Erhalten → Lernen). Ich bevorzuge eine reduzierte, aber tiefgründige Form – ideal für Kurzgeschichten.

Kombiniere die Struktur mit einem High Concept-Ansatz, d. h. einem Und-Zusatz zu einer "Was wäre, wenn?"-Prämisse (z. B. "Was wäre, wenn es Erinnerungsimplantate gäbe? High Concept: Und ein Erinnerungsimplantat plötzlich ein Geheimnis offenbart?").

Ziel ist eine kompakte, aber wirkungsvolle Dramaturgie für eine Kurzgeschichte mit emotionalem und thematischem Nachhall. Nutze dazu ausgewählte Plot Story Points wie Story Goal und Consequences. 

Die Ergebnisse kannst du gut in unserem Tool StoryForm speichern und weiter verfeinern.

Fazit

Mit Dramatica entwickelst du Kurzgeschichten, die nicht nur fesseln, sondern auch nachhallen. Du lernst, mit Perspektive, Thema und Struktur zu spielen – ganz ohne an Kreativität zu verlieren.

Denn: Auch eine Kurzgeschichte kann ein vollständiges Universum sein. Du brauchst nur das richtige Modell, um es zu bauen.

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